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Original


Das Hipatia- Manifest

Freies Wissen in Aktion, für die Völker der Welt.

Wir schlagen die Gründung einer basisdemokratischen Weltorganisation vor, um öffentliche Politik und menschliche und soziale Verhaltensweisen zu fördern, die die freie Verfügbarkeit, Nachhaltigkeit und soziale Nutzung von Technologie und Wissen ermöglichen soll, zusammen mit deren solidarischer Nutzung und der Zukunftsfähigkeit des wirtschaftlichen und sozialen Modells die diese erzeugen sollen. Alles im Rahmen der Gleichberechtigung und Beteiligung aller Menschen und Völker der Welt.

  • FREIE SOFTWARE*, ein Weg zu einem Wissen das
      • sozial gerecht,
      • technologisch nachhaltig und
      • wirtschaftlich zukunftsfähig

ist.

EINE ANDERE WELT IST MÖGLICH



I - Ausgangspunkt

Erde, Wasser, Luft und Feuer waren die Elemente der klassischen Welt. Nach Einstein aber verstehen wir die Welt, indem wir sie im Bezug auf zwei Arten der Analyse und Synthese darstellen: Das Paar Materie/Energie einerseits und Information andererseits.

Die beiden letzten Jahrhunderte sind durch die steigende Beherrschung von Materie und Energie gekennzeichnet, zusammen mit der Kapitalisierung, Aneignung, Ausbeutung und Kontrolle der verwendeten Technologien und des Fachwissen von Seiten einer Minderheit. Dies bestimmte in hohem Maße die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen die zu dieser Änderung geschaffen wurden. Die Klassenunterschiede, die verschiedene Lebensstandards und Konflikte brachten Diversität mit sich und die Gelegenheit, Projekte, Wünsche und besondere Bedürfnisse zu erfüllen. Der moderne Kapitalismus ist gleichzeitig Konsequenz und Motor der technologischen Entwicklung.

Seit einigen Jahrzehnten liegt die technologische Innovation und in Folge dessen eine der wichtigsten Felder der Kapitalakkumulation, bei der so genannten Informationstechnologie.

Die wirtschaftliche Steuerung und die Aneignungsformen der erzeugten Ressourcen wird in hohem Maß die zukünftige Gestaltung der menschlichen Gesellschaft bestimmen.

Wie nie zuvor hat die Technologie und deren materielle und intellektuelle Basis heute die Möglichkeit, die Menschen und die menschliche Gesellschaft zu verändern und neu zu gestalten.

Begriffe wie 'digital divide' deuten auf die wachsende Besorgnis über die Art und Weise wie dieser Wandel auf die ärmsten Sektoren der Menschheit einwirken wird; die Reichtumsunterschiede schaffen jetzt gleichzeitig neue Unwissende und Menschen, die mit den neuen Möglichkeiten mithalten können.

II - Was zu erwarten ist

Seit seinen Anfängen im Wirbel des Energiestrom ist das Leben immer komplexer geworden indem es die lokale Entropie verringerte, sich mittels natürlicher Auswahl verbesserte, reifte und gleichzeitig sich selbst bewusst wurde. Indem es sich selbst in seine eigene Vorstellungen miteinbezieht, bereitet es sich darauf vor, sich als eine Funktion seiner sich entwickelnden Ziele zu verbessern.

Genetik und Biotechnologie wird das, was wir als Menschheit sind, ändern, indem sie unsere Biologie verändert, um uns stärker und intelligenter zu machen, uns ermöglicht zu wählen, wie unsere Kinder sein werden, indem sie die Rolle der Geschlechter verändert, das Konzept der menschlichen Reproduktion und Weiteres das wir derzeit kaum ahnen können.

Das 'Informationszeitalter', Telekomunikation und die Informatik werden uns den Aufbau heute noch unvorstellbarer erscheinender Kommunikationsnetzwerke erlauben. Die Verbindung von Mobiltelefonen und Computern mit unserem Nervensystem wird uns Dinge ermöglichen die uns vorher als Fantasie erschienen: Telepatie und Telekinese, zum Beispiel. Schnittstellen zwischen dem menschlichen Gehirn und Computer, Artefakte aller Art, Videokameras und andere Gegenstände werden normal werden. Nur unser beschränktes Vorstellungsvermögen hält uns davon ab, zu sehen was wir schaffen könnten.

Das Anwachsen der Kommunikationskapazität, das wir mit dem Internet nur teilweise ahnen, soll der Menschheit zukünftig ermöglichen, sich in Metaorganismen weiterzuentwickeln die einzelne Menschen verbinden. Eine Entelechie größerer Komplexität als irgendeine die wir kennen. Ein oder mehrere überlagerte Wesen von denen wir lediglich Zellen sind.

Das Telefon hat bidirektionale Verbindungen zwischen zwei Punkten eines Netzes möglich gemacht: ein Kommunikationsmodell zwischen Gleichen. Fernsehen und Rundfunk haben unidirektionalen Verkehr zwischen einem Punkt und allen anderen Punkten des Netzes ermöglicht: Ein Punkt erzeugt während alle anderen verbrauchen. Das Internet ermöglicht eine Alle-zu-Alle Verbindung die sowohl horizontal als auchx transparent ist. Der Computer wird zur Kommunikationszentrale der die Fähigkeiten des Telefons und des Fernsehens mit der der Datenverarbeitung verbindet. Jedes Modell stellt eine andere Form der Partizipation und der menschlichen und institutionellen Organisation dar; das Internet besitzt kein Zentrum, keine Kontrollstelle. Die einzige zentrale Behörde, die Protokolle feststellt, wird auf demokratischer Basis gewählt und jeder Knoten verwaltet seine eigenen Verbindungen.

Die Veränderungen und Fortschritte in der Arbeitsproduktivität, das Reengineering und neue Verwaltungstechniken, die Mechanisierung geistiger Arbeit zusammen mit der Vernichtung zahlreicher Arbeitsplätze und der Entstehung neuer, sind lediglich einige der Aspekte der sich entwickelnden Veränderungen die zur 'Informationsgesellschaft' führen.

Die Notwendigkeit zu Heilen und die Möglichkeit die Lebensqualität Behinderter zu verbessern, treiben unter anderem die öffentliche Unterstützung gegenüber der Forschung an solchen Technologien an, während wachsende Profitgier große Kapitalinvestitionen für neue Risiken mobilisiert.

Der Einfluss den diese beiden Technologien neben anderen, gerade auftauchenden auf die Kapitalakkumulation und die Verteilung des Reichtums, sowie auf Konzepte wie Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie haben wird, wird groß sein; die Biotechnologie wird das menschliche Wesen neu definieren, während die Informatik und die Kommunikationstechnologie dasselbe mit unserer Gesellschaft machen werden.

Wir werden keinerlei Werturteile fällen und befürworten solche auch nicht; wir denken einfach, dass es geschehen wird.

III - Urheberrecht, ein missverstandenes Konzept

Der Begriff des Eigentums steht im Mittelpunkt sowohl der ideologischen als auch der sozialen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen der Menschheit.

Der moderne Kapitalismus braucht die Kontrolle über das Wissen und setzt dazu Mittel ein, um es auf das private Kapital zu beschränken, ihm einen Tauschwert zu verleihen und es auf konzeptioneller, kommerzieller und legaler Basis als 'Eigentum' aufzusaugen.

Die Idee, dass das Eigentum nicht nur in der Form von Gütern, sondern auch von Ideen, Texten, Erfindungen (Patente), Liedern usw. erscheinen kann versucht eine für Materie erdachte Form in das Reich der Information zu übernehmen: Es greift tief in die Struktur der menschlichen Gesellschaft ein, indem es den Eigentümern einen ständigen Strom von Ressourcen einbringt, der Wert schafft und auf dem weitere Kapitalakkumulation aufgebaut ist. Andererseits vermischt das Rechtswesen, das mit Urheberrechten, Patenten, Warenzeichen usw. zu tun hat, üblicherweise unter dieser verschwommenen Bezeichnung alles zusammen, selbst wenn es sich um Konzepte sehr unterschiedliche Natur handelt.

Es ist vernünftig, dass der- oder diejenige, der ein Wachstum des menschlichen Wissen erzielt, als Resultat dafür irgendwelche Rechte bekommt. Das Problem liegt daran, dass das Konzept des Eigentums in diesem Fall NICHT das Richtige ist; es wird zur Kriegsfanfare für die, die glauben, man könnte alles in Eigentum verwandeln.

Es ist deswegen notwendig, die Bedeutungen zu differenzieren und jedes Konzept einzeln zu betrachten, als Urheberrecht, Patente, Warenzeichen usw. und für jeden den geeigneten rechtlichen Rahmen zu finden, ohne diese als Eigentum zu behandeln.

IV - Digitale Werke

Heutzutage besteht die Möglichkeit beinahe alle Informationsarten digital kodieren zu können, oft in Realzeit. Wir können unser Wissen darstellen, egal was es ist - Bilder, Texte, Töne usw. - als eine Sequenz von Eins und Null; grundsätzlich eine Datei wo jede Stelle einen Bit 'wert' ist.

In der Zeit vor der Digitalisierung der Information mag es einen Sinn gehabt haben, die zu Materie/Energie passenden rechtlichen Strukturen auf die Information zu übertragen, da die materielle Basis der Information so wesentlich für ihre Benutzung war, dass sie die Art und Weise, in welcher sie behandelt wurde, bestimmte: Nutzung, Tausch und Zuweisung von Wert.

Die Digitalisierung verwandelt die Information in etwas allgegenwärtiges, ändert dessen Wesen und ermöglicht ihre Verarbeitung sowohl massenhaft als auch einzeln, auf Weisen die sich völlig von den herkömmlichen unterscheiden.

Die Anwendung des Konzepts des Eigentums auf digital kodierte Artefakten ist rein künstlich. Zuerst handelt es sich um keine Artefakte, die von einer Buchhaltung verwaltete werden können: Sie können unbeschränkt und verlustfrei kopiert werden. Es besteht kein Unterschied zwischen dem Original und der Kopie. Die Kopien gedruckter Bücher können physikalisch unterschieden, inventarisiert und individuell mit einem Code versehen werden; selbst, wenn diese den selben Inhalt besitzen, handelt es sich um materielle Objekte die in ihrer physikalischen Verkörperung vollkommen unterschiedlich sind und das Kopieren dabei erhebliche Kosten mit sich bringt. Genau so wie die Quantenmechanik verschiedene statistische Regeln für unterscheidbare und nicht unterscheidbare Objekte (Fermione und Bosone) fand, brauchen wir verschiedene Gesetze für digitale Schöpfungen und materielle Gegenstände.

Obwohl man sich Systeme vorstellen könnte, auf der man das Kopieren verhindern könnte und jede Instanz einer 'Datei' identifizieren, ein System nach dem die große Musikindustrie lauthals ruft, würde es völlig künstlich sein, und das Wesen der freien Kommunikation verändern, das den virtuellen digitalen Raum, der sich um das Internet herum aufgebaut hat, charakterisiert. Es würde ganz irrational und wirtschaftswidrig sein; es müsste die Analyse der Lesegeräte und der in der Software eingeschlossenen Geheimnisse blockieren können. Bis jetzt sind alle solche Versuche geknackt worden. Die Übertragung eines für die Materie bestimmtes Schemas auf die Information ist so widersprüchlich, wie die Übertragung von Regeln für Pferdeweiden auf Tankstellen. Die Digitalisierung ist die Technik die das Urheberrecht und seinen Einfluss auf das heutige Wirtschaftssystem begraben wird. Jede Stufe der technologischen Entwicklung wird von einer wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Struktur begleitet. In der digitalen Welt hat der Begriff des Urheberrechts einfach keinen Sinn. Traditionell wurde die Entwicklung des Wissens von jemanden veranlasst der an der Macht war. Armeen oder Regierungen finanzierten, beschützten und förderten das, was wir heute als öffentlichen Sektor bezeichnen würden. Obwohl es nicht immer frei im Umlauf war, war das Wissen an die staatliche Macht gebunden. Neuerdings hat die wachsende Macht der Privatkonzerne begonnen, die Wissenserzeugung zu übernehmen. Wir ahnen, dass es mit der Digitalisierung wieder durch öffentliche Gelder verwaltet wird, insbesondere von Universitäten und dem Militär. Kunstwerke aller Art werden wieder von ihren Schöpfern verwaltet werden, welche selbst zum Vertrieb in der Lage sein werden.

V - Programme

Programme, gleichzeitig Kernpunkt der Information und ein besonderes Beispiel digitaler Werke, stellen eine eigene Klasse dar, insoweit sie 'lebendige' oder aktive Information darstellen, Befehle die ausgeführt werden sollen. Sie benutzen das physikalische Trägermaterial der modernen digitalen Elektronik um einen Schritt weiter auf dem Weg der Automatisierung gehen. Genau wie die Maschinen der Industrierevolution die materielle Arbeit beeinflussten, werden die Maschinen der Digitalrevolution mehr und mehr geistige Arbeit verdrängen.

Programme sind wie Kochrezepte Befehle, die dazu bestimmt sind Handlungen auszuführen. Menschen programmieren in Sprachen wie Lisp, C, Basic, Perl usw. die verstanden werden können. Ein Programm (Compiler oder Interpreter) übersetzt diese Befehle in eine Sprache, die der Rechner eines bestimmten Computers versteht und die für die Menschen unverständlich ist. Proprietäre Programme werden ohne die für Menschen verständliche Sprache vertrieben in der sie geschrieben wurden, und sie bleibt verborgen. Deswegen können Programme Backdoors aufweisen oder ernsthafte Fehler, ohne dass wir dazu in der Lage sind sie zu verändern.

Da Programme selbständig, ohne menschlichen Eingriff handeln können, wenn einmal das virtuelle Universum geschaffen worden ist - wie es schon weitgehend geschehen ist - können diese ein eigenständiges Dasein führen und ohne menschlichen Einfluss handeln. Obwohl sie nur 'Befehle ausführen', bleibt die Frage, was sie mit den Instruktionen anrichten, unbestimmt, wie die Gödel-Turing-Theoreme für komplexe Systeme zeigen.

Computerviren sind die offensichtlichsten Verkörperungen dieses 'digitalen Lebens', obgleich noch sehr primitiv.

Die Idee mancher Schriftsteller (z.B. Arthur C. Clarke, '2001 An Odyssey in Space'), dass ein Mensch sein Geist-Seele-Programm an eine andere Form nichtorganischer Maschine weitergeben kann, ist nur ein Beispiel des Potentials der Informatik.

VI - Piraterie, ein Begriff des Marketings

Ein neues Gespenst geht um auf dem Planeten; Piraten bedrohen unseren Lebensstil, welcher nordamerikanischer als je zuvor zu sein scheint. Diese ekelerregenden Wesen haben einen Kult des Teilens geschaffen, wo es kein größeres Verbrechen in einer Gesellschaft geben kann, die Individualismus und persönlichen Erfolg vergöttert.

Die Bezeichnung die man für sie gefunden hat sind vielversprechend: Piraten. Diese Einbrecher in Compact-Discs, Knacker von Floppies, Fotokopierer, Diebe von Videos und Liedern zerstören das Eigentum, das von den großen Konzernen mit so viel Mühe und unter Zahlung minimaler Löhne oder Prozentsätzen an seine Schöpfer, angehäuft worden ist.

Da die Technologie ihnen hilft und sie anspornt, indem sie Barrieren, die ihre freie Ausbreitung verhindern, mit dem Internet fallen, ist es nötig rechtliche Sperren zu erfinden um Eigentum und Wert zu schöpfen, wo es auf natürlichen Wegen unmöglich wäre. Wo es keine Gesetze gibt, werden sie schnell erfunden.

Nur so ist es verständlich, dass die Gesetzgeber der Dritten Welt sich gezwungen sehen, Gesetze zu erlassen, die dieses künstliche Eigentum liefern und damit ihre Leute in Geiseln transnationaler Konzerne verwandeln.

Die Anarchisten sagten, dass Eigentum Diebstahl sei, und widmeten sich den 'Enteignungen'. Wir sagen, dass das Urheberrecht eine Bremse für den Fortschritt darstellt und widmen uns der Herstellung freien Softwares.

Und, bitte, lasst uns nicht in die Falle treten. Überlassen wir das Wort 'Pirat' für diejenigen, die Schiffe angreifen, rauben und plündern. Jemand, der ein Programm unbefugt benutzt, kann vielleicht ein perverses Gesetz brechen, aber er ist aber keinesfalls ein Pirat.

VII - Die Freie-Software Bewegung

Der Kampf um die Kontrolle über das Wissen hat erst angefangen. Im Bereich der Biotechnologie haben die Großkonzerne es geschafft, dessen Entwicklung unter Kontrolle zu bringen, so dass in diesem Feld die zukünftige Entwicklung der Formen der Kapitalisierung und er Verteilung der Vorteile längst vorgezeichnet sind. Sie haben es sogar geschafft, Lebewesen zu patentieren. Natürlich müssen wir in diesen Dokument die freie Veröffentlichung des menschlichen Genoms unterstreichen.

Bei der Informationstechnologie hat ein bedeutender Kampf begonnen zwischen freien Programmierern, die mittels des Internets verbunden sind, und die Fraktion die von Microsoft verkörpert wird, der gigantische Eigentümer des größten Teils des auf der Welt benutzten Softwares, einst Schaumodell des 'american way of live' und nun Musterbeispiel der Monopole.

Teure Technologien werden erfunden, Libraries entworfen, technologische Fortschritte in den Mikroprozessoren werden aufgeschoben, so dass sie noch alten Code ausführen können, und so die vorkompilierte Software weiterbenutzen können. Das einzige, das die Wiederverwendbarkeit der Softwares sichert, ist der Quellcode, aber im Namen der Erzeugung künstlichen Wertes werden ungeheure Mittel verzehrt.

Die Menschheit muss keineswegs das Rad jedesmal wiedererfinden, wenn sie es zu benutzen möchte; es genügt eines zu sehen, um uns zu zeigen wie es benutzt wird. Es besteht kein Bedarf, Quellcode von Programmen neu zu erfinden. Wenn wir andere davon abhalten, unseren originalen, menschenlesbaren Programm-Code zu sehen, zwingen wir sie, die Fehler zu wiederholen und die selbe Arbeit nochmal zu tun.

Der Kampf der Programmierer um die Wiederverwendbarkeit ihrer Programme und um die individuelle Anerkennung für jedes Werkes, gegen die Pläne ihrer Arbeitgeber, der Computer-Industrie, den Quell-Code zu verschließen und menschliche Kooperation zu verhindern, ist eine eigene Geschichte, die von der FSF angeführt wird, die auf dem Werk Richard Stallmans beruht. Ein Kampf, in dem die Menschheit eine intelligente Antwort auf die Herausforderung des Scheidewegs gefunden hat, an dem sie sich heute befindet. Ihr Logo, ihre Fahne oder wichtigster Bezugspunkt ist der GNU-Code. Eine Hackergemeinschaft verbreitet sich weit und breit auf dem Planeten, durch eine titanische Programmierarbeit, verbunden durch das Internet, dem sie Gestalt gaben, haben die Programmbasis geschaffen, mit der es möglich ist, Computer ohne proprietäre Software zu benutzen. Diese Meritokratie ist hauptverantwortliche für die Verbreitung des ethischen Wertes der Kooperation in der Programmiererbranche.

GNU/Linux, geschaffen von Linus Torvalds, ist das erste unter GPL-Lizenz herausgegebene Betriebsystem und bedeutet die Krönung der Jahre gemeinschaftlicher Bemühung.

Die Freiheiten, die von der FSF vorgeschlagen werden und die Freie Software im Rahmen der GPL definiert, bilden die Grundlage dessen, womit der Kampf begann. Ursprünglich von Richard M. Stallman verfasst, versichern sie die Möglichkeit des Zugangs zu den Quellen der Programme, und - noch wichtiger - hält andere davon ab, die Freie Software zu benutzen um nicht-freie Abkömmlinge damit zu entwickeln.

Verschiedene Strömungen haben zum breiten Verständnis und der Verbreitung Freier Softwares beigetragen; wir wollen zwei hervorheben:

    • Die Open-Source-Bewegung, die die Benutzung Freier Software unter
   den Bedingungen der GPL als einen Geschäftszweig fördert, und
   welches die utilitaristische Achse darstellt. Deren zentrale Idee
   ist, dass freie Software nützlicher für Geschaftszwecke und vom
   wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus bequemer ist.
    • Die Freie-Software-Bewegung, die die Benutzung Freier Software im
   Sinne der GPL fördert, und Programmierern aller Welt ermöglicht,
   die Ergebnisser ihrer Arbeit zu teilen. Deren Grundsatz ist
   ethisch und befreiend. Es ist gleichgültig, ob Freie Software
   nützlicher oder angebrachter ist, sie muss entwickelt werden, da
   nur Freie Software die Freiheit des Programmierens, Teilens und
   Benutzen von Software garantiert.

Bezüglich der Verteilung der Softwares gibt es verschiedene Positionen, die unterschiedliche Lizenzmodellen zur Folge haben.

Die Freie-Software-Bewegung nutzt kein Marketing, erscheint auf keiner Werbung im Fernsehen, Rundfunk oder Magazinen. Sie nutzt die Gemeinschaft und Aufklärung und hängt von ihren Unterstützern ab.

Wir sind versucht zu sagen, dass der Kampf der Freien-Software-Bewegung das erste Beispiel unter den vielen Sektoren darstellt, die sich unter dem Motto 'eine andere Welt ist möglich' sammeln, das üblicherweise als Antiglobalisierungsbewegung bezeichnet wird, und das Erfolg damit gehabt hat, ernsthafte Alternativen anzubieten.

VIII - Unser Kampf (Mission)

Wie bei allen neuen Entwicklungen muss die Menschheit eine Reihe von Ideen und Prinzipien entwickeln, um die Informationstechnik zu deuten und zu benutzen. Unsere Aufgabe ist es, einen Konsens zu schaffen, und die Vision, die wir verteidigen, zu verbreiten.

Diese Prinzipien, wie alle andere die unser Leben beeinflussen, sind von historischen Kämpfen der Menschheit gekennzeichnet und sie werden von den bekämpft von den individuellen Wünschen der aktuell Mächtigen, gegen die Bemühungen des Rests der Menschheit eine egalitäre und gerechte Gesellschaft entstehen zu lassen.

Wir müssen dem Kampf bewusst eine politische Dimension hinzu fügen. Wir müssen die öffentliche Arena erobern und auf das Ziel hinarbeiten, dass die Menschen und die öffentlichen Organisationen, besonders der Staat mit Freier Information arbeitet. Weil wir glauben, dass Freie Software uns helfen wird, eine bessere Gesellschaft aufzubauen, erkennen wir, dass dessen Übernahme ein Teil unseres Kampfes ist, eine neue Welt aufzubauen.

Wir haben vor, die Benutzung und Erzeugung Freier Software voran zu treiben und den Wert des geistigen Eigentums an Programmen mit Nutzungsbeschränkung zu Fall zu bringen. Um das zu schaffen, werden wir ähnliche oder bessere Freie Programme erzeugen für welche der Kaufpreis nahe Null sein soll.

Wir werden unseren Kindern beibringen ihre Programme und Computerspiele zu teilen. Ein Kind, dass ein Programmierer werden will, wird in die Programme, die es benutzt, rein schauen wollen, es auseinander zu nehmen und auf andere Weise wieder zusammen zu setzen. Wir sollen ihm nicht dieses Spiels berauben, eine Übung und Vorbereitung für sein Leben.

Anstatt ein Lizenzmodell vorzuschlagen, treten wir dafür ein, den Bedarf an Lizenzen zu beseitigen, indem wir die Gesetze dahingehend ändern, die in der GPL enthaltenen Prinzipe als allgemeinrechtlich zu erklären. Diese Lizenz ist eine intelligente Methode um sie in einer von Feinden beherrschten Welt einzusetzen, aber jetzt müssen wir die Welt ändern ausgehend von der intellektuellen Basis, die durch die GPL in der alten Welt konstruiert wurde.

Heute können wir an den Aufbau einer menschlichen Gemeinschaft gehen

  • hne Informationssteurn, hyper-verbunden durch Freie Werkzeuge und
  • hne die wirtschaftlichen Bedingungen, die von der Kapitalakkumulation

durch die Herrschaft des Wertes für die intellektuellen Software-Werke geschaffen werden.

Man könnte sagen wir haben gute Nachrichten: der Kampf, der die soziale und wirtschaftliche Basis der weltweiten Informationstechnologie definieren soll, wird von den Freien Programmierern gewonnen. Das Softwareentwicklungsmodell, das Eric S. Raymond (Gründer der Open Source Bewegung) im Gegensatz zur 'Kathedrale' den 'Basar' nannte, funktioniert: Wir ersetzen Stück für Stück eine Kultur des Einführens von Lizenzen in grellen Pappkästen mit einer völlig anderen, wo man Verträge mit kleinen Unternehmen schließt. Eine Kultur von unterbeschäftigten Programmierern in einem einzigen globalen Zentrum mit einer andern wo kleine Geschäftsleute auf dem ganzen Planeten verteilt sind. Denke und handle global beim Herstellen von Inhalten, denke und handle lokal bei der Nutzung von Inhalten und Programmen.

Es ist Zeit für die gesamte Menschheit, des Problems bewusst zu werden, und an der Schlacht teilzunehmen, die heute noch auf die virtuellen Gemeinschaften beschränkt ist, die aber einen tiefen Einfluss auf das Leben zukünftiger Generationen haben wird. Um zu siegen ist es nötig, dass die Verbraucher sich massiv Freier Software zuwenden. Nicht nur wegen der technischen und wirtschaftlichen Verbesserungen, sonder auch wegen der sozialen. Es besteht ein Risiko, das Gruppeninteresse, Vertriebsketten, Marketing und schlechte oder vorbelastete Regierungsentscheidungen darin enden werden, die besseren Produkte und sozial angemesseneren Lösungen zu ersticken. Genau wie mit den Umweltproblemen werden wirtschaftliche externe Effekte nicht immer berücksichtigt wenn Marktentscheidungen getroffen werden. Wir brauchen Aktionen der Regierung, Befürwortung, und Bewusstheit. Es gibt schon einige Staaten auf der Welt, die ihre Verwaltungssysteme auf Freie Software anpassen - wir möchten besonders die Bemühungen der Stadt Porto Alegre und des Staates Rio Grande Do Sud hervorheben.

Zwei Modelle stehen sich gegenüber, und die Handlungen eines jeden werden großen Einfluss auf unsere Zukunft haben. Verschiedene Zukünfte sind möglich; wir werden uns der Verwirklichung von einer widmen.

IX - Hipatia - Vorschläge und durchzuführende Handlungen

Unser Vorschlag ist Hipatia aufzubauen, als eine globale Umgebung um Nachdenken, zur Koordinierung und zur Handlung: Ein fortschrittlicher Kampfraum um der Möglichkeit einer besseren Welt zum Durchbruch zu verhelfen.

Wir hoffen Beiträge zusammen zu bringen, die eine politische und ideologische Strömung innerhalb der Freien-Software-Bewegung bilden, um innerhalb dieser Bewegung ein Bewusstsein gegenüber der Zukunft der Menschen auf diesem Planeten zu erzeugen.

Wir haben als Ziel, dass die gesamte Menschheit alles benutzen darf, was wir oben besprochen haben, da wir glauben, dass alle Menschen und die Gesellschaften, die wir bilden, das Recht haben:

 1. Die Funktionsweise aller von der Menschheit geschaffenen
    Technologie und Information vollständig zu kennen, was untrennbar
    mit dem Recht gekoppelt ist, diese einsetzen zu können.
 2. Neue Technologie, die auf älterer basiert, zu verändern und zu
    vertreiben, mit keinerlei Beschränkungen, außer der im ersten
    Punkt beschriebenen.
 3. Als Autoren eines intellektuellen Werkes Anerkennung zu bekommen
    und dazu in der Lage zu sein, die Formen in der es vertrieben
    wird zu bestimmen, immer im Rahmen der durch die ersten beiden
    Punkten beschriebenen Einschränkungen.
 4. Kopien irgend eines Werkes in dessen digitaler Form zu bekommen
    sofern es diese gibt. Nichts soll den freien Strom digitaler
    Information behindern, über die Einschränkungen oder die Preise
    hinaus, die die Stelle, an der das Werk zur Verfügung steht, auf
    Grund von Material- oder Verbindungskosten erhebt.
 5. Information zu bekommen, die es ermöglicht, die von uns benutzte
    Technologie zu verstehen angepasst an die Kultur und das Wissen
    aller menschlichen Wesens.

Um die Verwirklichung dieser Rechte zu garantieren versprechen wir:

 1. Die Benutzung Freier Software voran zu treiben, als ein
    essentielles Mittel um alle Menschen mit den oben beschriebenen
    Rechten auszustatten.
 2. So zu arbeiten, dass alle Menschen Freien Zugriff auf die
    Technologie und das Wissen des Informationszeitalters haben und
    so dafür zu sorgen, ihre Teilnahme als Bürger der Welt der
    Zukunft zu garantieren.

Wir laden jeden wohlgesinnten Menschen ein, uns zu unterstützen, zu kritisieren, zu verbessern und/oder mitzumachen, auf irgendeiner Weise die zu diesem Zweck am Besten erscheint.

Brasil: Mario Luiz Teza; Argentina: Diego Saravia y Juan Carlos Gentile; Uruguay: Luis Gonzalez. Cafe Tortoni, Buenos Aires, November 2001. Includes suggestions from: Alejandra García, José María Budassi, y Nidia Morrell. English translation by Graham Seaman. German translation by Enric Martínez, revised by Stefan Merten.